Der NABU - Landesverband Hessen hat alle Ortsgruppen ermuntert, sich an der Kommunalwahl 2026 nicht nur als Wähler/in, sondern auch mit Fragen an die kandidieren Fraktionen zu beteiligen. Wir haben drei Fragen mit lokalem Bezug entworfen und an alle in Mühltal kandidierenden Fraktionen verschickt. Leider haben nicht alle geantwortet, die Frist von vier Wochen war wohl nicht ausreichend. Kommunale Parteigliederungen sind alle nur ehrenamtlich tätig und im Wahlkampf oft "ausgebucht". Das verstehen wir als Ehrenamtler natürlich und werden uns bemühen, das nächste Mal die Aktion früher zu starten. Deshalb wollen wir aber auch diejenigen, die sich die Zeit genommen haben, durch die Veröffentlichung ihrer Antworten würdigen. Vielleicht bekommen wir ja nach der Wahl noch die Stellungnahmen der fehlenden Parteien und können die dann hier ergänzen.
Erste Frage: In der nächsten Legislaturperiode werden Sie sich sicher mit der Bebauung des Bahnhofgeländes und vielleicht auch mit der Erweiterung des Gewerbegebietes Ruckelshausen beschäftigen müssen. Welche Vorstellungen haben Sie zum zukünftigen Flächenverbrauch in unserer Gemeinde? Wie stehen Sie konkret zu diesen beiden Vorhaben?
Antwort CDU:
Die Entwicklung des Bahnhofsgeländes sowie eine mögliche Erweiterung des Gewerbegebietes Ruckelshausen gehören aus unserer Sicht zu den entscheidenden Zukunftsfragen für unsere Gemeinde. Beide Vorhaben sind für die strukturelle Weiterentwicklung Mühltals von großer Bedeutung, sowohl mit Blick auf dringend benötigten Wohnraum als auch auf die wirtschaftliche Stabilität unserer Kommune.
Beim Bahnhofsgelände handelt es sich um die Entwicklung einer ehemaligen Industriebrache. Es geht hier ausdrücklich nicht um die Inanspruchnahme gewachsener Natur- oder Freiflächen, sondern um die sinnvolle Nachnutzung eines bereits vorbelasteten Areals. Diese Form der Konversion bietet die Chance, neue Wohn- und Lebensräume zu schaffen, ohne zusätzliche unberührte Flächen zu versiegeln. Angesichts des erheblichen Bedarfs an Wohnraum in unserer Region halten wir eine maßvolle, qualitätsvolle Quartiersentwicklung an diesem Standort für richtig und notwendig. Für uns als CDU ist dabei entscheidend, dass die Planung flächeneffizient erfolgt, moderne energetische Standards berücksichtigt und Klima- sowie Artenschutzaspekte frühzeitig integriert werden. Dazu gehören unter anderem eine klimagerechte Bauweise, nachhaltige Energiekonzepte, ausreichend Grün- und Freiflächen, Maßnahmen zur Regenwasserrückhaltung sowie Begrünungen von Dächern und Fassaden. Unser Ziel ist es, hier ein lebenswertes Quartier zu schaffen, das Wohnen, Mobilität und Klimaschutz sinnvoll miteinander verbindet.
Auch die mögliche Erweiterung des Gewerbegebietes Ruckelshausen betrachten wir grundsätzlich positiv, allerdings mit Augenmaß. Eine leistungsfähige Wirtschaft ist Voraussetzung für die finanzielle Handlungsfähigkeit unserer Gemeinde. Gewerbesteuereinnahmen sichern Investitionen in Kinderbetreuung, Infrastruktur, Vereinsleben und soziale Angebote. Vorrang sollte aus unserer Sicht die Entwicklung ortsansässiger Betriebe haben, die ihren Standort in Mühltal sichern oder erweitern möchten. Gleichzeitig ist es wichtig, neue Flächen nur dann in Anspruch zu nehmen, wenn bestehende Potenziale ausgeschöpft sind. Bei einer Erweiterung müssen ökologische Standards verbindlich berücksichtigt werden. Dazu zählen flächensparende Bauweisen, Photovoltaik auf Dachflächen, durchdachte Regenwasserkonzepte, Begrünungsmaßnahmen sowie angemessene Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen. Der Flächenverbrauch darf dabei nicht leichtfertig erfolgen, sondern muss stets sorgfältig abgewogen werden.
Grundsätzlich steht die CDU Mühltal für eine verantwortungsvolle Flächenpolitik. Wir sind überzeugt, dass sich ökologische Verantwortung, sozialer Bedarf und wirtschaftliche Stabilität nicht ausschließen, sondern gemeinsam gedacht werden müssen. Wachstum darf nicht gegen Natur- und Klimaschutz ausgespielt werden. Unser Anspruch ist es vielmehr, Entwicklung so umweltverträglich wie möglich zu gestalten und dabei die langfristigen Interessen unserer Gemeinde im Blick zu behalten.
Antwort Bündnis90/Die Grüne:
Die Grünen haben zur Wohnbebauung der Fläche am Bahnhof Nieder-Ramstadt keine einheitliche Meinung. Allgemein, sowie die Besonderheiten des Standorts betreffend, spielen in der gegenwärtigen Debatte eine Rolle:
1. Die gesamte Fläche ist eine der beiden großen Abraumhalden (Tafelhalde und einzige Außenhalde) vom Steinbruch Wingertsberg. Bis in die 1950er Jahre wurde hier ein Teil des nicht verwertbaren Materials aus dem Bruch verkippt.
2. Kriegsbedingte Altlasten oder Folgeschäden sind wahrscheinlich ausgeschlossen, bezüglich 1945 am Bahnhof stattgefundener Kampfhandlungen (Tieffliegerangriffe) besteht Unklarheit.
3. Dagegen sind neuere Altlasten, z.B. aus der Asphaltaufbereitung der Fa. Scheidt, nicht ausgeschlossen.
4. Die Eignung der Haldenfläche als Baugrund muss noch festgestellt werden, ebenso eventuelle Georisiken. Von unüblicher Heterogenität des Baugrundes muss ausgegangen werden.
5. Der Baumbestand am oberen Haldenrand und auf den Böschungen spielt bezüglich der Geländesicherung wie auch für den Naturhaushalt eine Rolle. Besondere Maßnahmen zur Erhaltung, Entwicklung und Pflege des Baumbestands sind erforderlich.
6. Vermutlich ist die überbaubare Fläche weniger groß als sie im Moment erscheint (Abbrüche entlang der Ränder sind auf Laser-Scan-Aufnahmen erkennbar).
7. Es gibt nur eine mögliche Zufahrt, diese erfolgt über die Straße “Am Bahnhof“.
8. Fußläufige Verbindungen nach Nieder-Ramstadt lassen sich nur entlang der Straße „Am Bahnhof“ umsetzen. Der Bau einer Brücke über die B449 (Odenwaldstraße) könnte den Fußweg (event. auch den Fahrradweg) verkürzen. Ein Brückenbau wäre von den Kosten her nicht abbildbar.
9. Die Wasserversorgung ist aufwändig und voraussichtlich nur mittels eines neuen Hochbehälters herzustellen.
10. Zwei- und mehrgeschossige Gebäude werden das Landschaftsbild (insbesondere den Anblick aus der Ortslage Nieder-Ramstadt) voraussichtlich „auffällig“ prägen.
Antwort FDP:
Erste Priorität hat Innenverdichtung. Wir kommen jedoch nicht um zusätzlich bebaute Flächen herum. Wir brauchen weitere Gewerbeflächen. Ruckelshausen kann nur erweitert werden, wenn eine zweite Zufahrt geschaffen wird. Ob das wirtschaftlich tragbar ist, wird sich zeigen. Eine wie auch immer geartete Nutzung des Bahnhofareals wird es geben. Die jetzt vorliegende Planung mit 195 Wohneinheiten und rund 400 Bewohnern auf dem kleinen Gelände lehnen wir ab. Wir sehen dort eher ein lockeres Mischgebiet aus Gewerbe und Wohnen. Wenn Wohnen, dann nur mit einem Anteil für sozialen Wohnungsbau und preiswerten Wohnen analog Bebauungsplan Dornberg. Auf jeden Fall muss die Verkehrsanbindung zur B449 gesichert sein und auch die von der FDP auf dem Areal geforderten 50 zusätzlichen Parkplätze für Pendler umfassen. Kritisch merken wir an, dass durch den mehrfachen Verkauf das Gelände zu einem Spekulationsobjekt geworden ist. Die inzwischen erreichten hohen Quadratmeterpreise werden eine an den Interessen der Bürger dorforientierte Lösung schwierig machen.
Zweite Frage: Die Gemeindevertretung hat sich durch den Beschluss vom Juni 2021, bis zum Jahr 2035 klimaneutral zu werden, einen anspruchsvollen Rahmen für alles weitere politische Handeln gesetzt. Wie möchte ihre Partei konkret die Maßnahmen aus dem „Integrierten Klimaschutzkonzept der Gemeinde Mühltal“ umsetzen? Welche Prioritäten setzen Sie?
Antwort CDU:
Im Rahmen des Beschlusses zur Einstellung einer Klimamanagerin sowie zur Neuaufstellung des Arbeitskreises Klimaschutz hat sich die Gemeindevertretung dazu bekannt, sich dem Ziel der Klimaneutralität bis 2035 verpflichtet zu fühlen. Dieses Bekenntnis unterstützen wir als CDU ausdrücklich. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Klimakommunen Hessens gemäß ihrer Charta eine Klimaneutralität erst bis 2045 anstreben. Mühltal hat sich somit einem Ziel verpflichtet gefühlt, das deutlich vor den eigentlichen Vorgaben des Landes liegt. Gleichzeitig ist uns wichtig, Klimaschutz als dauerhafte kommunale Aufgabe verantwortungsvoll, realistisch und finanzierbar zu gestalten.
Ein wesentlicher Schritt war aus unserer Sicht die Einrichtung einer Klimamanagerstelle, die wir ausdrücklich mitgetragen haben. Die strukturierte Koordination der Maßnahmen aus dem Integrierten Klimaschutzkonzept ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass die zahlreichen Einzelmaßnahmen nicht nebeneinander stehen, sondern strategisch geplant, priorisiert und gefördert werden. Klimaschutz braucht professionelle Begleitung, Fördermittelmanagement und eine kontinuierliche Erfolgskontrolle – all das kann auf ehrenamtlicher Basis nicht geleistet werden.
Unsere Priorität liegt zunächst dort, wo die Gemeinde direkten Einfluss hat: bei den eigenen Liegenschaften, beim Energieverbrauch kommunaler Gebäude, bei der Straßenbeleuchtung, bei Neubau- und Sanierungsmaßnahmen sowie bei der Flächenentwicklung. Energetische Sanierungen, moderne Heizsysteme, Photovoltaik auf geeigneten kommunalen Dachflächen und effiziente Technik sind konkrete Hebel, die wir Schritt für Schritt weiter ausbauen wollen. Ebenso wichtig ist für uns eine klimabewusste Bauleitplanung, bei der Energieeffizienz, Regenwassermanagement und Begrünung von Anfang an mitgedacht werden.
Gleichzeitig müssen wir ehrlich feststellen, dass viele der großen Stellschrauben – etwa im Bereich der Energieversorgung, der Mobilitätswende oder der gesetzlichen Rahmenbedingungen – nicht auf kommunaler Ebene entschieden werden. Hier sind wir auf klare Vorgaben und verlässliche Förderprogramme von Bund und Land angewiesen. Klimaneutralität bis 2035 kann nur gelingen, wenn die übergeordneten politischen Ebenen die notwendigen strukturellen und finanziellen Voraussetzungen schaffen.
Hinzu kommt, dass viele der entscheidenden Stellschrauben in privater Hand liegen. Dies betrifft insbesondere die Wärmeversorgung und Mobilität der privaten Haushalte sowie den Ausbau erneuerbarer Energien auf privaten Flächen, etwa auf Dachflächen oder Parkplätzen. Hier kann die Gemeinde Impulse setzen, beraten und Anreize schaffen, eine direkte Steuerung ist jedoch nur begrenzt möglich.
Für uns als CDU ist entscheidend, dass Klimaschutzmaßnahmen sozialverträglich bleiben. Investitionen dürfen Bürgerinnen und Bürger, Vereine oder Unternehmen nicht überfordern. Klimaschutz muss mit Augenmaß erfolgen, damit er dauerhaft akzeptiert und mitgetragen wird. Symbolpolitik oder kurzfristige Prestigeprojekte helfen nicht weiter – wichtiger ist eine kontinuierliche, pragmatische Umsetzung vieler kleiner und mittlerer Schritte, die in Summe Wirkung entfalten.
Unser Ziel ist es, das Integrierte Klimaschutzkonzept konsequent weiterzuentwickeln und umzusetzen, dabei jedoch stets Wirtschaftlichkeit, Haushaltslage und gesellschaftliche Akzeptanz im Blick zu behalten. Klimaschutz ist für uns kein ideologisches Projekt, sondern eine langfristige Gestaltungsaufgabe für die Zukunft unserer Gemeinde.
Antwort Bündnis90/Die Grüne:
Die Grünen haben selbst eine Überprüfung aller im Klimaschutzkonzept vorgeschlagenen Maßnahmen vorgenommen und bei den meisten Punkten erhebliche Defizite und Verzögerungen festgestellt. Der Beschluss zur Sportplatzsanierung in Traisa wird zu weiteren Verzögerungen bei den dringenden Infrastruktursanierungen (Brücken, Kanalisation, Trinkwasserleitungen) und der energetische Sanierung der gemeindeeigenen Gebäude führen. Im Detail ist das in drei Podcast – Folgen der Grünen dargestellt:
https://gruene-muehltal.de/podcast/
Folge 128 Klimaschutzkonzept Mühltal – Was bisher (nicht?) geschah
Antwort FDP:
Die direkten Möglichkeiten der Gemeinde sind begrenzt. Photovoltaik auf allen Gemeindeeigenen Gebäuden, Einsatz von Wärmepumpen, keine Verlängerung der Genehmigung für die Verbrennung von Kohle(staub) in Mühltaler Gewerbebetrieben. Im wesentlichen ist die CO2-Reduktion Sache der Bürger. Wir unterstützen Informationsveranstaltungen und eine konkrete Klimaberatung für Bürger. Direkte Zuschüsse seitens der Kommune wie z. B bei den Balkonanlagen geschehen unterstützen wir aufgrund der Kassenlage nicht.
Dritte Frage: Die Stadt Darmstadt hat nach gründlicher Überlegung mit allen Beteiligten an einem runden Tisch die kommerzielle Nutzung ihrer Wälder beendet, um ihre Wälder klimaresistenter zu machen. Wie sie sicher wissen, stehen sich hier oft sehr konträre Positionen gegenüber, es ist auch bei uns schon sehr viel Unmut in der Bevölkerung über die Folgen der Waldbewirtschaftung entstanden. Was halten Sie von dem Vorschlag auch in Mühltal einen ergebnisoffenen runden Tisch zur künftigen Waldnutzung zu etablieren? Alle Beteiligten, öffentliche und private Waldbesitzer, Jagdpächter, Naturschutzorganisationen und Bürger, könnten sich in Ruhe und sachlich über die zukünftige Nutzung unserer Wälder informieren und austauschen.
Antwort CDU:
Die Diskussion um die zukünftige Waldnutzung wird vielerorts sehr engagiert und teilweise auch emotional geführt. Das ist nachvollziehbar, denn unser Wald ist Lebensraum, Klimafaktor und wichtiges Naherholungsgebiet zugleich. Unterschiedliche Auffassungen und auch Unmut in Teilen der Bevölkerung nehmen wir ernst.
Grundsätzlich steht die CDU-Fraktion einem ergebnisoffenen, sachlichen Austausch positiv gegenüber. Ein runder Tisch kann dazu beitragen, Transparenz zu schaffen, fachliche Zusammenhänge verständlich zu erläutern und die unterschiedlichen Perspektiven von öffentlichen und privaten Waldbesitzern, Jagdpächtern, Naturschutzorganisationen sowie Bürgerinnen und Bürgern zusammenzuführen. Entscheidend ist für uns, dass eine solche Diskussion faktenbasiert geführt wird und nicht von vornherein auf ein bestimmtes Ergebnis ausgerichtet ist.
Gleichzeitig halten wir es für wichtig, die aktuelle Bewirtschaftung korrekt einzuordnen. Die Betreuung der rund 350 Hektar gemeindlichen Waldes durch HessenForst dient nicht der wirtschaftlichen Gewinnerzielung für die Gemeinde, sondern in erster Linie der notwendigen Verkehrssicherung. Diese ist zwingend erforderlich, um den Wald als sicheres Naherholungsgebiet für die Bevölkerung zugänglich zu halten. Darüber hinaus erfolgt die Bewirtschaftung unter PEFC-Zertifizierung und damit nach anerkannten ökologischen und nachhaltigen Standards. Bereits heute liegt die natürliche Verjüngung deutlich über dem Holzeinschlag, sodass eine nachhaltige Waldentwicklung sichergestellt ist.
Für uns steht im Mittelpunkt, dass Klimaanpassung, Biodiversität, Erholungsfunktion und Sicherheit gleichermaßen berücksichtigt werden.
Antwort Bündnis90/Die Grüne:
Die Grünen sind für eine Bürgerbeteiligung bei der Forsteinrichtung / Waldbewirtschaftung. Ob das dann ein runder Tisch ist oder eine erweiterte Bürgerbeteiligung in anderer Form, hängt von den Umständen ab, zum Beispiel dem Bürgerinteresse. Bei früheren Gelegenheiten haben sich nicht immer genügend Menschen gefunden, die bereit waren sich intensiver mit dieser Materie zu befassen.
Antwort FDP:
Einen runden Tisch zum Thema Zukunft Wald werden wir unterstützen. Die Herausforderungen angesichts des Klimawandels sind groß und es wird keine einfachen Antworten geben, sondern nur kleinräumige Lösungen je nach aktueller Problemlandschaft.